Captain Capa Album + Tour

Captain Capa haben ein neues Album fertig! Heute gibt es die erste Single „The Fever“ mit Video – das Album „This Is Forever“ folgt am 28. April.

Mit „The Fever“ streuen Captain Capa Salz in Wunden, die ihr längst vergessen habt und erinnern an das eine große Ding, das euch damals durch die Lappen gegangen ist. Schlimmer noch: Sie stellen sich vor, wie es wäre, sich bei Schnaps und Blitzlicht nostalgisch damit in den Armen zu liegen und das verdammte Fieber von früher wieder zu beleben. Nostalgisch klingen deshalb auch die warmen Synthies, die tighten Funk-Gitarren und das Echo der fiesen Wahrheit: “Time has worked against us.” Wer zu dem Refrain nicht im Konfettiregen mit seinen Dämonen tanzen will, wirft den ersten Stein.

Captain Capa – This Is Forever (28.04.17)
Vorverkauf: http://audiolith.net/al259

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Vorweg: Natürlich ist das Captain Capas beste Platte geworden, selbstverständlich sind sie jetzt reifer als vorher und mit Sicherheit haben sie dabei sich selbst neu erfunden. Die Band hat „neue Ufer erschlossen“, sich in „ganz ferne, musikalische Gefilde gewagt“ und „ihr Werk in neue Sphären gehoben.“ Ihr wisst Bescheid.

Was liest man sonst so in Pressetexten? Dass Ashi, der Sänger, zwei Jahre auf einer japanischen Reisfarm gearbeitet hat, nur um sich auf dieses Album vorzubereiten? Dass Gitarrist Marco barfuß um den Globus gereist ist, um Solo-Techniken von den ärmsten Gitarrenvirtuosen der Welt zu studieren? Dass Mario, der gutaussehende Techniker der Band, einen solarzellenbetriebenen Synthesizer aus Buntglasresten erfunden hat, der gleichzeitig Hooklines spielt UND die Umwelt rettet? Könnte man alles hier schreiben, wäre aber gelogen.

Nein, wir werden heute nicht versuchen, euch mit einer wilden Backstory um den Finger zu wickeln. Also reden wir Klartext: Captain Capa haben ein neues Album aufgenommen. Wir erinnern uns: Vor tausend Jahren gab es für die Band aus dem Audiolith-Zirkus den New Music Award, danach zwei USA-Touren in den Fängen der Vans Warped Tour und auf dem letzten Album-Cover war ein Fuchs, der die Band entgegen ihrem ausdrücklichen Willen nicht DIREKT in den Mainstream geschleudert hat. Es folgte ein aalglatter Besetzungswechsel mit dazugehöriger EP und vereinzelten Singles, um sich selbst und den Schwarm bei Laune zu halten. So haben Captain Capa die letzten Jahre damit verbracht, in ihrer neuen, dreiköpfigen Besetzung zusammenzuwachsen und auszuloten, was sie von diesem Biest „Musik“ eigentlich wollen. Fame!? Geld!? Sowas ähnliches wie Erfüllung!? Berechtigte Frage, denn die Wahrheit ist: Musikmachen ist nicht immer easy, Touren ist nicht immer easy, ein Album aufnehmen ist nicht immer easy. Das hat gerade an Captain Capa Sänger Ashi so sehr genagt, dass er als Autor eine ganze Reihe an VICE-Kolumnen damit gefüllt hat, sich genüsslich über die Schattenseiten des Bandlebens auszulassen. Dementsprechend verkopft ging es dann auch beim Songwriting zu: Plötzlich drehten sich die Fragen im Studio nicht mehr um gute Hooks und mitreißende Refrains, sondern darum, wie viele alteingesessene Fans man vergrault, wenn man „Ah“ statt „Oh“ singt oder ob man es trotzdem auf die 10.000 Youtube-Klicks schafft, wenn der Song auf 142 statt 132 BPM pumpt.

Dass „This Is Forever“ trotzdem der bunte, mitreißende Pop-Bastard geworden ist, der jetzt vor euch liegt, ist einer späten Erleuchtung zuzuschreiben. Captain Capa wissen nicht mehr genau, beim wievielten Gespräch in der Popmusiker-Burnout-Selbsthilfegruppe es passierte, aber der Knoten ist gerade noch rechtzeitig geplatzt. Mit wahnhaftem Grinsen haben sie den prall gefüllten Ordner “SONGBAUSTELLEN 2015-2016” und das „how_to_build_a_popsong” PDF vom Desktop direkt in die ewigen Jagdgründe geschickt und nochmal bei Null angesetzt.

Die Songs, die in den Monaten danach entstanden sind, klingen nach drei Buddies, die sich mit beinahe kindlicher Verspieltheit kompromisslos und (fast) ironiefrei an ihrer ganz eigenen Vorstellung vom perfekten, aufgeregten Popsong ausgetobt haben. Das heißt für Captain Capa, dass zwischen den Hagel aus Wave-Synths, Emo-Geschrammel und Hipster-Chillwave eben auch triefende Eighties-Gitarren, hochgepitchte Nineties Vocals, eine verdrogte R&B-Ballade und ein verdammter Reggae-Beat gehören. Dass dieser immer elektronische und immer tanzbare Rundumschlag diesmal nicht (nur) mit Texten über geplatzte Liebschaften besungen wird, sondern mit all dem düsteren, ungesunden Scheiß, den man als verirrte End-Zwanziger so mit sich herum trägt, macht aus dem Album eine brenzlige Mischung, die schlicht und einfach irre spannend ist. Da darf die schmeichelnde Eighties-Ballade schon mal aus der Sicht des stalkenden Ex-Freundes erzählt werden, der zerstückelte Reggae-Beat von lähmender Depression berichten und die ballernde Techno-Nummer mit absurden Weltuntergangsfantasien beschrien werden.

Das Paket drumherum passt zu dieser zügellos aufgebohrten, aber inhaltlich furchtbar intimen Sammlung von Songs. Stichwort „Wechselcover“:  Jedes der 14 Lieder bekommt im altehrwürdigen Medium „CD“ (wisst ihr noch?) einen eigenen Schnappschuss aus dem Fundus der Band. Ins Booklet ist ein Fenster zum Auswechseln der Motive geschnitten, in der Hoffnung, dass ihr das Polaroid eurer Freundin, eurer Oma oder eurer Katze zum Albumcover des Jahrtausends macht.

Mit „This Is Forever“ haben sich Captain Capa selbst ein Lieblingsalbum für die Ewigkeit gebaut, ohne sich irgendwem anbiedern zu wollen. Vielleicht gewinnen Captain Capa auch dieses Jahr keinen Coolness-Preis bei der Indiepolizei oder den Formatradios. Sollten sie aber! Denn wer sich offen und losgelöst an diese Platte heran traut, könnte hier die Überraschung des verdammten Sommers entdecken.

Captain Capa Live
präsentiert von http://askhelmut.com
Dates & Tickets

05.05.17 Leipzig – Werk2 (Support: Chai Khat)
12.05.17 Berlin – Musik & Frieden (Support: Chai Khat)
13.05.17 Hamburg – Molotow (Support: Chai Khat)
19.05.17 Düsseldorf – FFT
20.05.17 Nürnberg – Stereo
26.05.17 Chemnitz – Atomino

Foto: Timo Roth

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